Welche Auswirkungen hatte COVID-19 auf Ihre Arbeit in der Landwirtschaft?

Die COVID-19-Pandemie hat die Anfälligkeit von armen Klein- und Kleinstbäuerinnen und -bauern und indigenen Gemeinschaften noch verstärkt. Der Verlust von Arbeitsplätzen, die geringere Verfügbarkeit von Lohnarbeit und die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit waren für die meisten Haushalte ein Schock. Die Nichtholzprodukte1 (Non-Timber Forest Products, NTFP), die Fischerei und das Programm zur Beschäftigungsgarantie für den ländlichen Raum (National Rural Employment Guarantee Act, NREGA) waren besonders betroffen. Vielerorts konnten NTFP nicht oder nur zu einem geringen Preis verkauft werden. Arbeit im Rahmen des NREGA war nicht oder nur für wenige Tage verfügbar. Fischereigruppen konnten 2020 keine Jungfische für ihre Teiche bekommen, und 2021 schränkten verspätete und unregelmässige Regenfälle den Fischbesatz in den Teichen ein, was schliesslich zu geringeren Fischfängen führte.

Gemeinsam mit unseren Partnern leisteten wir Nothilfe in Form von Nahrungsmittelhilfe für bedürftige Familien, unterstützen Klein- und Kleinstlandwirt:innen mit landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, sensibilisierten für den Schutz vor Corona, stellten Schutz- und Hygienematerialien bereit und halfen bei der Mobilisierung der Gemeinden für Impfungen. Trotz der durch COVID-19 bedingten Einschränkungen bei der Mobilität des SWISSAID-Partners sowie bei Dorfversammlungen und Schulungen nahm die Fläche für den ökologischen Landbau zu.

Kavita Ghandi

Kavita Gandhi leitet das SWISSAID-Büro in Indien.

Was benötigt SWISSAID Indien intern – und extern – am dringendsten?

Die Herausforderungen, mit denen arme und gefährdete Gemeinschaften konfrontiert sind, haben sich vervielfacht. Die Klimakatastrophe hat die ohnehin schwierige Situation der Armen noch verschärft. Das Besondere an SWISSAID ist, dass sie den lokalen Gemeinschaften und Partner:innen zugehört und ihnen Raum für Experimente gegeben hat. Im Fall von Indien hat SWISSAID neue Themen aufgegriffen. Um nur einige zu nennen: die Selbstmorde unter den Bauern und Bäuerinnen, die Umsetzung des Waldgesetzes oder die Erhaltung und Verbreitung bäuerlicher Kultursorten. Neue Themen anzugehen, bedeutet, dass es in den ersten Jahren keine Blaupausen gibt, wie das Problem zu lösen ist, sondern dass man mit den lokalen Gemeinschaften und Partner:innen zusammenarbeitet, um Lösungen zu finden. Um diese Arbeit fortsetzen zu können, braucht SWISSAID vor allem Spender:innen und Unterstützer:innen, die an den Auftrag und die Arbeit von SWISSAID glauben und langfristige Unterstützung gewähren, damit sie experimentieren, innovieren und, ja, auch scheitern können, um daraus zu lernen.

 

1  Nichtholzprodukte: z.B. Früchte, Nüsse und Heilpflanzen